Sport verbindet – gerade in schwierigen Zeiten
Ra’anana e.V. zieht positive Bilanz aus zwei Begegnungsprogrammen mit Jugendlichen und Sportfachkräften
Brandenburg an der Havel. In den vergangenen Tagen hat der Verein für internationale Arbeit im Sport „Ra’anana e.V.“ zwei Gruppen aus Israel in Brandenburg an der Havel begleitet. Mehr als 50 Jugendliche und Erwachsene nahmen an den Programmen teil. Beide Begegnungen zeigten, wie Sport Menschen miteinander ins Gespräch bringt - auch dann, wenn unterschiedliche Erfahrungen und schwierige politische Themen im Raum stehen.
Jugendaustausch mit Yad Mordechai
Die erste Gruppe bestand aus 15 Teilnehmenden aus dem Kibbuz Yad Mordechai im Süden Israels. Gemeinsam mit Jugendlichen des VC Blau-Weiß Brandenburg e.V. erlebten sie ein abwechslungsreiches Programm aus Volleyball, weiteren sportlichen Aktivitäten, Ausflügen und persönlichem Austausch. Gerade Volleyball wurde zum verbindenden Element der Begegnung.
Yad Mordechai liegt nur wenige Kilometer vom Gazastreifen entfernt. Der Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 und die anhaltende Unsicherheit prägen das Leben vieler Menschen dort bis heute. Diese Erfahrungen waren auch während der Begegnung präsent. Die Jugendlichen sprachen über ihren Alltag, über Ängste und Belastungen, aber ebenso über ihre Wünsche für die Zukunft.
Jugendliche aus Yad Mordechai und vom VC Blau-Weiß Brandenburg erlebten Sport, Austausch und gemeinsame Aktivitäten.
„Wer über den Nahen Osten spricht, muss unterschiedliche Perspektiven und Widersprüche aushalten können. Wir verurteilen den Terror der Hamas bzw. der Hisbollah und nehmen zugleich das Leid der Zivilbevölkerung auf allen Seiten ernst. Unsere Begegnungen schaffen einen Rahmen, in dem junge Menschen einander zuhören, Fragen stellen und persönliche Erfahrungen teilen können.“
Dr. Niels Haberlandt, Vorsitzender des Vereins Ra’anana e.V.
Ein besonderer Dank gilt Ole Riederer und Emilia Schwichtenberg vom VC, die den Jugendaustausch mit großem Engagement leiteten. Ihnen gelang es, sportliche Aktivitäten, gemeinschaftliche Erlebnisse und ernsthafte Gespräche zu einem stimmigen Programm zu verbinden. Zuschizusch!
Außergewöhnlich vielfältige Fachkräftegruppe
Die zweite Begegnung brachte 25 Sportfachkräfte aus Abu Ghosh, Bet Shemesh und Jerusalem nach Brandenburg. Die Teilnehmenden lernten die Region und verschiedene Einrichtungen kennen, tauschten sich über Jugendarbeit und Sport aus und entwickelten Ideen für die weitere Zusammenarbeit.
Besonders bemerkenswert war die Zusammensetzung der Gruppe: Muslimisch-arabische und christlich-arabische Israelis, jüdische Israelis sowie palästinensische Teilnehmende verbrachten die Tage gemeinsam. In der gegenwärtigen Situation ist eine solche Begegnung alles andere als selbstverständlich. Unterschiedliche Biografien und Erfahrungen prägten die Gespräche über Identität, Sicherheit, gesellschaftliches Zusammenleben und die Verantwortung von Sportorganisationen.
Sportfachkräfte aus Abu Ghosh, Bet Shemesh und Jerusalem zu Gast in Brandenburg an der Havel.
„Diese Gruppe hat gezeigt, dass persönliche Begegnung auch unter schwierigen politischen Bedingungen möglich bleibt. Zu unserer Arbeit gehört zugleich eine klare Haltung gegen Antisemitismus. Jüdische und israelische Menschen dürfen nicht pauschal für das Handeln einer Regierung verantwortlich gemacht werden. Solchen Zuschreibungen müssen wir im Sport, in der Schule und im Alltag entschieden entgegentreten.“
Dr. Nils Haberlandt
Sport und gemeinsame Aktivitäten boten auch bei dieser Begegnung einen unkomplizierten Zugang zueinander. Sie schufen Vertrauen und ermöglichten Gespräche, die in anderen Zusammenhängen oft kaum zustande kommen.
Dank an die Partner in der Region
Ra’anana e.V. dankt der Begegnungsstätte Schloss Gollwitz, die beiden Gruppen einen verlässlichen Ort für Begegnungen, Gespräche und gemeinsames Lernen bot. Ein herzlicher Dank gilt außerdem Vincent Jäger für die SUP-Touren, dem SPORT-IN in Wust als Ort der sportlichen Aktivitäten sowie dem DRK-Kreisverband Brandenburg an der Havel für die zuverlässige Unterstützung bei den Transporten.
Nächste Reise nach Israel im Oktober
Die nächsten Projekte sind bereits in Vorbereitung. Vom 22. bis 28. Oktober 2026 organisiert Ra’anana e.V. gemeinsam mit der Brandenburgischen Sportjugend das Fachkräfteprogramm „Perspektiven verbinden – Partnerschaften leben“ in Israel. Geplant sind Begegnungen und Workshops mit Partnerorganisationen in Ra’anana und Yad Mordechai sowie Besuche in Jerusalem, Tel Aviv-Jaffa und an der Gedenkstätte für die Opfer des Nova-Festivals.
Das Angebot richtet sich an Fachkräfte und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Bildung, Jugendarbeit, Sport und interkultureller Zusammenarbeit. Der Teilnahmebeitrag von 490 Euro umfasst Flüge, Transfers, Unterkunft, Verpflegung, Programm und Versicherungen. Anmeldungen sind noch bis zum 1. August 2026 möglich.
Weitere Informationen: Link zur Ausschreibung
Direkte Anmeldung: eveeno.com/198036113
Die Durchführung erfolgt nach einer erneuten Bewertung der Sicherheitslage und unter Beachtung der aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise.
Über Ra’anana e.V.
Ra’anana e.V. ist ein Verein für internationale Arbeit im Sport mit Sitz in Brandenburg an der Havel. Der Verein organisiert deutsch-israelische Jugendbegegnungen und Fachkräfteprogramme und nutzt Sport als verbindendes Mittel, um Vorurteile abzubauen, persönliche Beziehungen zu fördern und auch in schwierigen Zeiten im Gespräch zu bleiben.